Titel: Wie ich Pfeife rauche ,     Verfasser: Mag. Christian Schneider     Date: 25.12.2007

Wie ich Pfeife rauche

Ein Artikel von Mag. Christian Schneider


Schon seit 1987 rauche ich Pfeife, bin hin und wieder, aber sehr selten, einer guten, nicht zu großen Zigarre nicht abgeneigt und halte mich von Zigaretten möglichst fern. Ich bin Jahrgang 1959. Mein Pfeifenarsenal umfasst ca. 40 Stück, fast alle Fabrikspfeifen mittlerer und unterer Preislage, die mir viel Genuss bereiten. An Tabaken bevorzuge ich leichte Mischungen dänisch-deutschen aromatisierten Typs, rauche aber auch leichte bis mittlere naturbelassene englische Tabake ganz gerne. Von schweren Kalibern halte ich nichts. Ich rauche ausschließlich mit 9mm-Filtern von Vauen, die ich bestens empfehlen kann. Zum Glück habe ich ein eigenes Rauchzimmer im Haus mit einem Tischchen. In einem Glas befindet sich der Vorrat an Pfeifenreinigern, und auf einem Tellerchen liegen die Filter bereit. Die Pfeifen bewahre ich auf preisgünstigen, klappbaren Pfeifenständern für jeweils ein Exemplar auf. Ich sitze in einem gemütlichen Sofa. Tunlichst rauche ich eine Pfeife nur einmal am Tag. Für unterwegs besitze ich zwei Pfeifentaschen aus Leder für drei bzw. sechs Stück.

Den Tag beginne ich mit einer kleineren Pfeife aromatisierten, leichten Tabaks. Fast alle meine Pfeifen sind für aromatisierte Mischungen vorgesehen, nur zwei Pfeifen sind für englische Tabake reserviert. - Den Tabak lasse ich zunächst leicht in den Pfeifenkopf rieseln, bis er voll ist, dann klopfe ich leicht dagegen, damit er sich setzt und fülle wieder voll. Dann drücke ich ganz leicht an, nehme eine größere Prise und drücke diese in die Brennkammer, bis sie ganz voll ist. Mit einem Gasfeuerzeug mit schrägem Flammenaustritt zünde ich an, stopfe leicht nach und zünde die erloschene Füllung nochmals an, sodass sie gleichmäßig über die Fläche verteilt schön brennt. Dann ergebe ich mich völlig dem Rauchgenuss, stopfe hin und wieder nach, zünde auch nach, wenn nötig, und rauche möglichst zu Ende, was leider bei manchen Tabaken nicht möglich ist. Ist alles aufgebraucht, rühre ich mit dem Dorn meines tschechischen Pfeifenbestecks die Asche um und schütte sie gleich aus; ich kontrolliere sie, ob wirklich alles verbrannt ist, diese Rückmeldung ist mir wichtig! Ich mag es gar nicht, wenn unverbrannte, womöglich noch feuchte Reste vorhanden sind, was bedeutet, dass ich beim Rauchen zu hastig war und etwas falsch gemacht habe. Zum Glück passiert mir das äußerst selten. Allerdings muss ich zugeben, dass ich zum hastig Rauchen neige, wahrscheinlich eine Nebenwirkung des Filters. Wenn ich rauche, tue ich nichts nebenbei, höchstens Radio hören oder lesen.


Nachdem das Rauchopfer beendet ist, platziere ich die warme Pfeife auf einem Pfeifenknecht und lasse sie vollständig erkalten. Das dauert etwa eine halbe Stunde; in dieser Zeit verwirkliche ich Ideen und Aufgaben, die mir in angenehmen Gedanken während des Rauchens gekommen sind. Auch trimke ich gerne Kaffee, oder man findet mich am Computer bei Mail oder WWW. - Ist der Moment gekommen, zu lange lasse ich mir nicht Zeit, damit die Verschmutzungen nicht antrocknen, trenne ich nach rechts drehend das Mundstück vom Holm und werfe den gesättigten Filter weg. Dann nehme ich einen der bereit liegenden Pfeifenreiniger, meistens von Vauen oder Blitz-Reiniger und führe ihn vom Biss her einmal durch das Mundstück. Durch den Filter muss man nicht häufiger putzen, da in der Regel kein Schmutz, sondern nur Feuchtigkeit vorhanden ist. Als nächstes kommt der Holm dran: zuerst mit dem dünneren, dann mit dem dickeren Ende. Sodann knicke ich den Reiniger in der Mitte und wische zumächst die Filterkammer, dann die Holmbohrung doppelt genommen aus. Der Pfeifenreiniger hat seinen Dienst getan und wird weggeworfen. Falls nötig nehme ich noch einen zweiten. Das Mundstück wird mit einem neuen Filter versehen und wieder nach rechts drehend aufgesteckt; dann stelle ich die Pfeife an ihren Platz.


In längeren Zeitabständen ist eine Generalreinigung angesagt. Wenn die Bohrung kein leichtes Durchstecken des Pfeifenreinigers mehr ermöglicht, nehme ich den Bohrer des "Senior Pipe Reamers" zu Hilfe und drehe ihn vorsichtig durch. Mit einem hochprozentigen alkoholischen Getränk (Rum, Whiskey) oder einer speziellen Reinigungsflüssigkeit putze ich den Holm. Ich befeuchte das dünnere Ende eines Pfeifenreinigers damit und putze die Bohrung. Dann nehme ich das trockene dickere Ende und führe es mehrmals durch den Holm. Dies wird so lange wiederholt, bis der Reiniger ohne Verschmutzungen zu Tage tritt. Mit geknickten Reinigern wird die große Bohrung im Holm gereinigt. Die unschönen Schmauchränder und die äußeren Verschmutzungen am Pfeifenkopf beseitige ich mit der unerreichten Kebrab-Pipe-Lotion. Nach dieser Prozedur lasse ich die Pfeife, ohne einen Filter eingesetzt zu haben, drei Tage durchtrocknen. Wenn nötig, poliere ich den Kopf mit etwas Pfeifenwachs und Papiertaschentüchern. Eine Pfeife, die wie neu aussieht, macht Freude! Ganz selten ist es nötig, die Kohleablagerungen im Inneren mit dem Senior Pipe Reamer auf ca. einen Millimeter zu reduzieren.


Da ich auswärts wohne, fahre ich eher selten zum Tabak- und Zubehörkauf nach Wien, wenn, dann mit einer großen Tasche in meine Stammtrafik und kaufe gleich tüchtig ein.
Ich nehme immer Tabake unterschiedlicher Sorten, und es ist schon eine Aufgabe, alles durchzuprobieren! Gerne nehme ich als "Stammtabake" die Mischungen des VCPÖ Selection Nr. 1 (aromatisiert) oder Nr. 3 (englisch, naturbelassen). Auch Filter in Großpackungen und Reiniger werden mitgenommen. Das Einkaufserlebnis rundet ein Schwatz sowie eine Beratung meines Trafikanten ab, bis ich mit der Beute nach Hause gekommen bin, wo alles verstaut wird. Die Neuerscheinungen kommen immer als erstes dran, aber ich öffne nie mehr als zwei Packungen. Manche schöne Dosen hebe ich mir auch auf oder verschenke sie an Hausfrauen, die darin nützliche Dinge aufbewahren können. - So ein Pfeifenraucherleben ist doch viel reichhaltiger, als gedankenlos Zigaretten zu paffen, und meiner Erfahrung nach ist es auch billiger.

Mit diesem Artikel will ich niemanden zum Rauchen verführen, aber auf die Zigarettenjünger zum Umsteigen einwirken.

Für Fragen oder Anregungen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung - dazu benutzen Sie bitte das nachfolgende Formular!

Ihr Mag. Christian Schneider

 
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